Bewehrung

Auch: Stahlbewehrung · Armierung

Bewehrung bezeichnet die in Bauteile aus Beton eingelegten Betonstahlstäbe oder -matten, die – im Gegensatz zum druckfesten, aber zugschwachen Beton – Zugkräfte aufnehmen und dadurch überhaupt erst tragfähige Stahlbetonbauteile wie Decken, Stützen, Unterzüge oder Fundamente ermöglichen.

Ausführliche Erklärung

Beton ist als Baustoff sehr druckfest, kann aber Zugkräfte nur in sehr geringem Umfang aufnehmen und würde bei Zugbeanspruchung reißen. Durch das Einlegen von Betonstahl in die Zugzone eines Bauteils – etwa an der Unterseite einer durchbiegenden Decke oder im Kern einer schlanken Stütze – entsteht Stahlbeton als Verbundwerkstoff: Der Beton übernimmt die Druckkräfte, der Betonstahl die Zugkräfte, und beide Materialien haften durch ihre Verbundwirkung fest aneinander. Verwendet wird hierfür in Deutschland Betonstahl nach DIN 488, der als Stabstahl, Matten oder gebogene Formen geliefert wird; die Bemessung von Menge, Durchmesser und Anordnung der Bewehrung erfolgt im Rahmen der Tragwerksplanung nach Eurocode 2 (DIN EN 1992-1-1) mit nationalem Anhang.

Wichtige Kenngrößen sind der Bewehrungsgrad (Verhältnis von Stahl- zu Betonquerschnitt) und die Betondeckung – der Mindestabstand der Bewehrung zur Bauteiloberfläche, der sowohl den Korrosionsschutz des Stahls als auch den Brandschutz sicherstellt. Eine unzureichende Betondeckung ist eine häufige Schadensursache bei Stahlbetonbauteilen (Bewehrungskorrosion, Betonabplatzungen) und für die Zustandsbewertung von Bestandsimmobilien relevant. Für Makler ist Bewehrung vor allem im Zusammenhang mit Bauschäden und Sanierungsbedarf bei älteren Betonbauten von Bedeutung, etwa wenn sichtbare Risse oder Abplatzungen auf freiliegende, korrodierte Bewehrung hindeuten.

Beispiel aus der Praxis

Bei einer Stahlbetondecke wird an der Unterseite, wo im Betrieb Zugspannungen entstehen, eine Lage Betonstahlmatten eingelegt, bevor der Beton eingebracht wird. Die Bewehrung übernimmt die Zugkräfte, während der ausgehärtete Beton die Druckkräfte trägt.

Rechtsgrundlage

  • DIN 488 – Produktnorm für Betonstahl (Bewehrungsstahl): Sorten, Eigenschaften, Lieferformen.
  • DIN EN 1992-1-1 (Eurocode 2) mit nationalem Anhang – Bemessung und konstruktive Durchbildung von Stahlbetonbauteilen einschließlich Bewehrung und Betondeckung.

Verwandte Begriffe