Konstruktionsholz
Auch: Konstruktionsvollholz · KVH · Bauholz
Konstruktionsholz (auch Konstruktionsvollholz, KVH) ist Vollholz aus Nadel- oder Laubholz, das für tragende Zwecke im Holzbau – etwa Balken, Sparren, Pfetten oder Ständer – bestimmt und nach seiner Tragfähigkeit visuell oder maschinell sortiert ist. Die Sortierung stellt sicher, dass die Festigkeitseigenschaften des Holzes den statischen Anforderungen der jeweiligen Konstruktion entsprechen.
Ausführliche Erklärung
Nicht jedes Bauholz ist automatisch als tragendes Bauteil geeignet: Astigkeit, Faserneigung, Risse und andere Wuchsmerkmale beeinflussen die Festigkeit erheblich. Die visuelle Sortierung von Nadelschnittholz nach Tragfähigkeit wird in Deutschland durch DIN 4074-1 geregelt, die Sortierklassen wie S7, S10 und S13 definiert (für Laubholz gilt ergänzend DIN 4074-5). Über die europäische Zuordnungsnorm DIN EN 1912 lassen sich diese nationalen Sortierklassen den europäischen Festigkeitsklassen nach DIN EN 338 zuordnen; die gebräuchliche Sortierklasse S10 entspricht dabei in der Regel der Festigkeitsklasse C24, die im Holzbau am weitesten verbreitet ist.
Neben der visuellen Sortierung durch geschulte Personen kommt zunehmend die maschinelle Festigkeitssortierung zum Einsatz, bei der Holzeigenschaften messtechnisch (z. B. über Röntgen- oder Ultraschallverfahren) erfasst werden. Konstruktionsvollholz (KVH) wird darüber hinaus meist technisch getrocknet, gehobelt und mit Keilzinkenstößen zu größeren Längen verbunden, um Maßhaltigkeit und geringe Feuchte für den Holzbau sicherzustellen.
Für die statische Bemessung von Bauteilen aus Konstruktionsholz sind die zugeordneten Festigkeitsklassen nach DIN EN 338 die Grundlage der Nachweise nach Eurocode 5 (DIN EN 1995-1-1). Falsch oder gar nicht sortiertes Holz darf für tragende Zwecke nicht verwendet werden, da hierfür kein Festigkeitsnachweis vorliegt.
Beispiel aus der Praxis
Ein Zimmerer verbaut für die Dachkonstruktion eines Einfamilienhauses Kanthölzer der Sortierklasse S10 nach DIN 4074-1, die der europäischen Festigkeitsklasse C24 entsprechen. Anhand dieser Klasse berechnet der Tragwerksplaner die zulässigen Spannweiten der Dachsparren.
Rechtsgrundlage
- DIN 4074-1 – visuelle Sortierung von Nadelschnittholz nach Tragfähigkeit (Sortierklassen S7, S10, S13).
- DIN EN 338 – Festigkeitsklassen für Bauholz (z. B. C24), zugeordnet über DIN EN 1912.
- DIN EN 1995-1-1 (Eurocode 5) – statische Bemessung auf Basis der zugeordneten Festigkeitsklasse.