Kristallisationsdruck

Auch: Salzsprengung · Salzkristallisationsdruck

Kristallisationsdruck entsteht, wenn im Baustoff gelöste Salze bei Verdunstung des Wassers auskristallisieren und dabei ihr Volumen vergrößern. Der dadurch entstehende mechanische Druck sprengt Putz, Fugen und Steinoberfläche von innen – ein zentraler Schadensmechanismus bei Mauersalpeter und anderen Ausblühungserscheinungen.

Ausführliche Erklärung

Salze gelangen über aufsteigende oder eindringende Feuchtigkeit ins Mauerwerk – etwa aus dem Baugrund (Nitrate, Sulfate, Chloride), aus Bauhilfsstoffen (Zement, alte Mörtel) oder durch Tausalzeinsatz an Sockelbereichen. Solange die Salze in Lösung bleiben, richten sie keinen Schaden an. Problematisch wird es, sobald das Wasser an der Bauteiloberfläche verdunstet: Die Salzkonzentration steigt lokal an, bis die Sättigungsgrenze überschritten wird und Kristalle ausfallen.

Der Schadensmechanismus im Detail:

  • Kristallisiert das Salz direkt an der Oberfläche, entstehen sichtbare, meist weiße bis gräuliche Ausblühungen ohne unmittelbaren Substanzschaden.
  • Kristallisiert das Salz dagegen innerhalb der Poren des Putzes oder Steins (Subflorescence), erzeugt das Kristallwachstum einen mechanischen Druck auf die Porenwände. Da viele Salze beim Kristallisieren zusätzlich Kristallwasser einlagern und ihr Volumen dabei nochmals vergrößern (besonders ausgeprägt bei Natriumsulfat), kann der entstehende Druck die Zugfestigkeit des Materials deutlich übersteigen.
  • Die Folge sind Absanden, Abplatzungen, Rissbildung und im fortgeschrittenen Stadium der komplette Gefügeverlust des Putzes bzw. der Steinoberfläche.

Praxisrelevanz für Makler: Kristallisationsdruck ist die eigentliche Schadensursache hinter dem, was Laien als "Mauersalpeter" oder Ausblühungen bezeichnen. Bei Besichtigungen von Altbauten mit Kellergeschoss oder erdberührten Wänden sollte auf pudrigen, absandenden Putz und weiße Salzkrusten geachtet werden – diese sind ein starker Hinweis auf ein ungelöstes Feuchtigkeitsproblem, da die Salze ohne kontinuierliche Wasserzufuhr nicht immer wieder nachgeliefert würden. Sanierungsansätze (Sanierputzsysteme nach WTA-Merkblatt, Horizontalsperren) müssen stets die Feuchtigkeitsursache mitbehandeln, sonst wandert der Schaden lediglich weiter.

Beispiel aus der Praxis

An der Kellerwand eines Altbaus blättert der Putz in großen Flächen ab, darunter zeigen sich weiße Salzkrusten. Der hinzugezogene Sachverständige erklärt dem Käufer, dass nicht der Putz selbst mangelhaft ist, sondern aufsteigende Mauerfeuchte kontinuierlich Salze einträgt, die beim Verdunsten den Putz von innen sprengen. Empfohlen wird ein WTA-Sanierputzsystem in Kombination mit einer nachträglichen Horizontalsperre.

Rechtsgrundlage

Keine spezielle Rechtsgrundlage. Es handelt sich um einen bauphysikalischen Schadensmechanismus; rechtliche Relevanz ergibt sich mittelbar über die Sachmängelhaftung nach § 434 BGB, wenn die zugrunde liegende Feuchtigkeitsursache dem Verkäufer bekannt war.

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