Reetdach

Auch: Strohdach · Reetgedecktes Dach

Ein Reetdach ist eine traditionelle Dacheindeckung aus fest gebündeltem und mehrlagig aufgebrachtem Reet (Schilfrohr), wie sie besonders an der Nord- und Ostseeküste sowie in Ostfriesland verbreitet ist. Reetdächer zeichnen sich durch eine sehr steile Dachneigung, eine dicke Eindeckung und eine markante, natürliche Optik aus.

Ausführliche Erklärung

Für den Makler ist das Reetdach ein charakteristisches, aber besonderes Ausstattungsmerkmal mit erheblichen Auswirkungen auf Bewertung, Versicherung und laufende Kosten:

  • Konstruktion: Reet wird in dicken Bündeln (30–35 cm) auf die Dachlatten gebunden oder genäht; ein fachgerecht ausgeführtes Reetdach hält je nach Lage, Ausführung und Pflege 30 bis 50 Jahre, bevor eine Neueindeckung erforderlich wird.
  • Brandschutz: Reet ist deutlich brennbarer als harte Bedachungen; viele Landesbauordnungen verlangen daher größere Abstandsflächen zu Nachbargebäuden oder besondere brandschutztechnische Maßnahmen (z. B. Blitzschutzanlage, feuerhemmende Unterkonstruktion, brandschutzsichere Kaminanschlüsse). Regionale "Reetdachsatzungen" können zusätzliche Vorgaben enthalten.
  • Versicherung: Aufgrund des erhöhten Brandrisikos verlangen Wohngebäudeversicherer für Reetdachhäuser häufig höhere Prämien oder besondere Auflagen (z. B. zertifizierte Blitzschutzanlage als Voraussetzung für den Versicherungsschutz); dies sollte dem Käufer als Kalkulationsfaktor mitgeteilt werden.
  • Instandhaltung und Kosten: Die Neueindeckung eines Reetdachs ist deutlich teurer als bei klassischen Ziegel- oder Betondächern, da sie handwerklich aufwendig und von Fachbetrieben (Rohrdachdecker) ausgeführt werden muss; dies ist bei der Kalkulation von Instandhaltungsrücklagen zu berücksichtigen.
  • Denkmalschutz: Historische Reetdachhäuser stehen häufig unter Denkmalschutz, was Umbau, Dämmung und Instandsetzung zusätzlichen Genehmigungspflichten unterwirft, andererseits aber steuerliche Vergünstigungen (Denkmal-AfA) ermöglichen kann.

Beispiel aus der Praxis

Ein Ferienhaus an der Ostseeküste mit klassischem Reetdach wird zum Verkauf angeboten; der Makler weist den Kaufinteressenten auf die höheren Versicherungsprämien sowie auf die vorhandene Blitzschutzanlage hin, die Voraussetzung für den bestehenden Versicherungsschutz ist.

Rechtsgrundlage

  • Landesbauordnungen – Regeln Abstandsflächen und Brandschutzauflagen für weichgedeckte Dächer wie Reetdächer.
  • Denkmalschutzgesetze der Länder – Bei denkmalgeschützten Reetdachhäusern zusätzliche Genehmigungspflichten für bauliche Veränderungen.

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