Sichtestrich
Auch: Designestrich · Estrich als Nutzschicht
Sichtestrich ist ein Zement- oder Anhydritestrich, der nicht mit einem separaten Bodenbelag (Parkett, Fliesen, Teppich) versehen, sondern nach dem Schleifen und Versiegeln direkt als fertige, sichtbare Bodenoberfläche genutzt wird.
Ausführliche Erklärung
Klassisch dient ein Estrich als Unterkonstruktion für einen darüberliegenden Bodenbelag. Beim Sichtestrich entfällt dieser zusätzliche Belag: Der Estrich selbst wird geschliffen, gegebenenfalls eingefärbt und mit einer Versiegelung oder Imprägnierung behandelt, sodass er als robuste, pflegeleichte und optisch reduzierte Nutzschicht dient. Verwendet werden meist Zementestriche, zunehmend auch Anhydritestriche mit entsprechender spezieller Rezeptur und Nachbehandlung.
Sichtestrich ist in den letzten Jahren vor allem in modernen Neubauten, Lofts und hochwertigen Sanierungen als gestalterisches Element beliebt geworden, da er eine durchgängige, fugenarme Fläche mit industriellem oder minimalistischem Charakter ermöglicht und sich sehr gut mit Fußbodenheizung kombinieren lässt. Nachteile sind eine im Vergleich zu textilen Belägen härtere und kühlere Anmutung sowie eine höhere Anforderung an die Sorgfalt bei der Verarbeitung, da Unregelmäßigkeiten in der Oberfläche – anders als bei einem verdeckten Estrich unter Belag – sichtbar bleiben. Die grundlegenden Anforderungen an Estriche (Zusammensetzung, Verarbeitung, Prüfung) regelt die Normenreihe DIN 18560 "Estriche im Bauwesen", die als anerkannte Regel der Technik gilt.
Beispiel aus der Praxis
In einem neu gebauten Loft wird der gesamte Wohnbereich mit einem grau eingefärbten, geschliffenen Sichtestrich ausgestattet. Der Makler hebt im Exposé hervor, dass der Boden in Kombination mit der integrierten Fußbodenheizung besonders pflegeleicht und langlebig ist.
Rechtsgrundlage
Keine spezielle gesetzliche Rechtsgrundlage; maßgeblich sind die anerkannten Regeln der Technik für Estriche (u. a. DIN 18560).