Vorgehängte hinterlüftete Fassade
Auch: VHF · Vorhangfassade
Bei der vorgehängten hinterlüfteten Fassade (VHF) wird eine äußere Verkleidung – etwa aus Platten, Naturstein, Holz oder Metall – mit Abstand vor die gedämmte Wand montiert, sodass dazwischen ein durchlüfteter Luftspalt entsteht. Sie gilt als besonders langlebige und bauphysikalisch günstige Fassadenlösung.
Ausführliche Erklärung
Die VHF besteht aus drei funktionalen Ebenen: der tragenden Außenwand mit Wärmedämmung, einem Luftspalt (Hinterlüftungsebene) und der äußeren Bekleidung, die über eine Unterkonstruktion (meist Aluminium- oder Holzprofile) mechanisch befestigt wird. Der Luftspalt sorgt dafür, dass anfallende Feuchtigkeit aus der Dämmung nach außen abgeführt wird und Tauwasser nicht in der Konstruktion verbleibt.
Für Makler relevante Punkte:
- Abgrenzung zum WDVS: Anders als beim Wärmedämmverbundsystem (WDVS), bei dem Dämmung und Putz direkt verklebt sind, liegt bei der VHF zwischen Dämmung und Verkleidung ein belüfteter Spalt. Dies macht die VHF unempfindlicher gegenüber Feuchteschäden und Algenbewuchs, ist aber in der Herstellung teurer.
- Materialvielfalt: Verkleidungen reichen von Faserzementplatten, Naturstein- und Keramikplatten über Metallpaneele (Aluminium, Zink, Titanzink) bis zu Holzschalungen – jeweils mit unterschiedlichem Pflege- und Instandhaltungsaufwand.
- Wertaspekt: VHF-Fassaden gelten als hochwertig, wartungsarm und langlebig (Nutzungsdauer oft 40 Jahre und mehr) und werden bei Neubauten sowie hochwertigen Sanierungen zunehmend eingesetzt – ein Argument bei der Objektpräsentation.
- Brandschutz: Bei mehrgeschossigen Gebäuden ist die Wahl nichtbrennbarer Dämmstoffe und Verkleidungsmaterialien in der VHF ein bauaufsichtlich relevantes Thema (Brandübertragung im Luftspalt).
Beispiel aus der Praxis
Ein modernes Mehrfamilienhaus wird mit einer vorgehängten hinterlüfteten Fassade aus Faserzementplatten in Anthrazit beworben. Der Verkäufer hebt hervor, dass diese Bauweise besonders witterungsbeständig ist und im Gegensatz zu einem WDVS keine Algenbildung zeigt.
Rechtsgrundlage
Keine eigene gesetzliche Regelung. Maßgeblich ist die technische Norm DIN 18516 (Außenwandbekleidungen, hinterlüftet), die Anforderungen an Konstruktion, Befestigung und Bemessung regelt; bauordnungsrechtliche Brandschutzanforderungen ergeben sich aus den Landesbauordnungen.