Fuge
Auch: Bauwerksfuge · Anschlussfuge
Eine Fuge ist ein gezielt eingeplanter Zwischenraum zwischen zwei Bauteilen, der Maßtoleranzen, temperatur- oder feuchtebedingte Bewegungen sowie unterschiedliche Materialeigenschaften ausgleicht. Je nach Lage und Funktion muss sie fachgerecht abgedichtet werden, um Feuchtigkeits- und Wärmeschäden zu vermeiden.
Ausführliche Erklärung
Fugen sind kein Baumangel, sondern ein notwendiges Konstruktionselement: Baustoffe dehnen sich bei Temperaturschwankungen aus, arbeiten durch Feuchteaufnahme oder -abgabe, und Bauteile werden mit Fertigungs- und Montagetoleranzen hergestellt. Ohne Fugen würden diese Bewegungen zu Spannungen und in der Folge zu Rissen oder Abplatzungen führen. Man unterscheidet unter anderem:
- Bewegungsfugen/Dehnungsfugen: gleichen thermische und hygrische Längenänderungen von Bauteilen (z. B. Fassadenplatten, Estrichen) aus.
- Anschlussfugen: trennen unterschiedliche Bauteile oder Materialien voneinander, etwa zwischen Fensterrahmen und Mauerwerk (siehe Fensteranschluss).
- Bauwerksfugen/Gebäudetrennfugen: trennen ganze Gebäudeteile statisch und konstruktiv voneinander, etwa bei unterschiedlicher Bauweise oder Setzungsverhalten.
Für Außenwandfugen im Hochbau – etwa zwischen Betonfertigteilen, unverputztem Mauerwerk oder Natursteinelementen – regelt die DIN 18540 die fachgerechte Abdichtung mit elastischen Fugendichtstoffen, einschließlich Anforderungen an Fugenbreite, Untergrundvorbereitung und die verwendeten Dichtstoffe. Unsachgemäß ausgeführte oder gealterte Fugendichtungen zählen zu den häufigsten Ursachen für Feuchtigkeitsschäden an Fassaden und sind bei der Bauzustandsbewertung ein typischer Prüfpunkt.
Für Makler und Gutachter ist die Beurteilung von Fugen relevant bei der Einschätzung des Instandhaltungszustands: Rissige, spröde oder fehlende Fugendichtungen deuten auf anstehenden Sanierungsbedarf hin und können Feuchtigkeitsschäden im Bauteilinneren begünstigen.
Beispiel aus der Praxis
Bei der Besichtigung eines 20 Jahre alten Wohnhauses fällt auf, dass die Fugen zwischen den Betonfertigteilen der Fassade rissig und teilweise porös sind. Der Gutachter empfiehlt eine Erneuerung der Fugendichtung nach DIN 18540, um weitere Feuchtigkeitseintritte in die Wandkonstruktion zu vermeiden.
Rechtsgrundlage
- DIN 18540 – Norm für die Ausbildung und Abdichtung von Außenwandfugen im Hochbau mit Fugendichtstoffen.
- Keine spezielle gesetzliche Regelung; im Streitfall über Bauschäden gelten die allgemeinen werkvertraglichen Mängelvorschriften der §§ 633 f. BGB.