Geoinformationssystem
Auch: GIS-Tool · GIS
Ein Geoinformationssystem (GIS) ist eine Software, mit der raumbezogene Daten – etwa Grundstücksgrenzen, Bodenrichtwerte, Infrastruktur, Verkehrsanbindung oder Umgebungsbebauung – auf digitalen Karten erfasst, verknüpft und ausgewertet werden. Makler nutzen GIS-Tools zur fundierten Lagebewertung und Objektpräsentation.
Ausführliche Erklärung
Für die Wertermittlung und Vermarktung von Immobilien ist die Lage einer der wichtigsten Werttreiber ("Lage, Lage, Lage"). Geoinformationssysteme liefern hierzu objektive, kartenbasierte Datengrundlagen:
- Standortanalyse: Verknüpfung von Objektadresse mit Umgebungsdaten wie Schulen, ÖPNV-Anbindung, Einkaufsmöglichkeiten, Grünflächen, Lärmbelastung oder Nachbarschaftsbebauung.
- Bodenrichtwert-Integration: Viele GIS-Tools binden die amtlichen Bodenrichtwerte der Gutachterausschüsse (BORIS) ein und ermöglichen so eine erste Einordnung des Grundstückswerts.
- Kartenbasierte Objektpräsentation: Einbindung interaktiver Karten im Online-Exposé, die Interessenten die Lage inklusive Umgebungsinfrastruktur anschaulich zeigen.
- Risikodaten: Auswertung von Hochwasserzonen, Altlastenkataster oder Fluglärmzonen, die für die Bewertung und rechtssichere Aufklärungspflichten gegenüber Käufern relevant sein können.
- Marktanalyse: Visualisierung von Preisentwicklungen und Vergleichsobjekten auf Kartenbasis, um regionale Preistrends zu erkennen.
In der Praxis ist das GIS für Makler ein wichtiges Instrument, um die eigene Lagebewertung fachlich zu untermauern und Kunden gegenüber transparent und nachvollziehbar zu argumentieren – etwa bei der Preisfindung im Rahmen einer Wertermittlung. Zudem hilft es, Aufklärungspflichten zu erfüllen, etwa wenn ein Grundstück in einem Überschwemmungsgebiet liegt.
Beispiel aus der Praxis
Ein Makler nutzt ein Geoinformationssystem, um für ein zu bewertendes Grundstück den aktuellen Bodenrichtwert automatisch abzurufen, die Entfernung zur nächsten Grundschule zu ermitteln und zu prüfen, ob das Grundstück in einem festgesetzten Überschwemmungsgebiet liegt. Diese Informationen fließen direkt in das Exposé und die Wertermittlung ein.
Rechtsgrundlage
Keine spezielle Rechtsgrundlage für das Tool selbst. Die zugrunde liegenden Bodenrichtwerte basieren auf § 196 BauGB (Ermittlung durch die Gutachterausschüsse); bei der Nutzung geodatenbasierter Risikoinformationen sind ggf. Aufklärungspflichten nach den allgemeinen Grundsätzen der Maklerhaftung zu beachten.