Kehlbalkendach
Auch: Kehlbalkendachstuhl
Ein Kehlbalkendach ist eine Dachkonstruktion, bei der ein waagerechter Balken – der Kehlbalken – zwei gegenüberliegende Sparren im oberen Drittel oder auf halber Höhe miteinander verbindet. Dadurch wird das Sparrendreieck ausgesteift und größere Spannweiten werden möglich, ohne dass zusätzliche Stützen im Dachraum nötig sind.
Ausführliche Erklärung
Das Kehlbalkendach gilt als Weiterentwicklung des klassischen Sparrendachs: Während beim einfachen Sparrendach die Standsicherheit allein durch das aus zwei Sparren gebildete Dreieck sowie die Deckenbalkenlage gewährleistet wird, übernimmt beim Kehlbalkendach zusätzlich der horizontale Kehlbalken eine aussteifende Funktion. Er verbindet die gegenüberliegenden Sparrenpaare und verhindert ein Ausknicken oder Durchbiegen der Sparren, wodurch auch bei größeren Spannweiten auf zusätzliche Stützpfetten verzichtet werden kann.
Diese Bauweise wird häufig eingesetzt, wenn ein möglichst stützenfreier, gut nutzbarer Dachraum gewünscht ist – etwa beim Ausbau zu Wohnraum. Die Lage der Kehlbalken bestimmt dabei die nutzbare Raumhöhe im Dachgeschoss: Je höher der Kehlbalken angeordnet ist, desto mehr stehende Fläche mit ausreichender lichter Höhe entsteht, allerdings auf Kosten der statischen Aussteifung, die entsprechend durch stärkere Bauteile kompensiert werden muss.
Für Immobilienbewertung und Sanierungsplanung ist relevant, dass eine nachträgliche Änderung oder Entfernung von Kehlbalken (etwa für einen offeneren Dachraum) statisch genau geprüft werden muss, da die Balken tragende Funktion für die gesamte Dachkonstruktion haben.
Beispiel aus der Praxis
Ein Bauherr möchte beim Dachgeschossausbau einen möglichst hohen, offenen Raum ohne sichtbare Querbalken schaffen. Da es sich um ein Kehlbalkendach handelt, prüft der Statiker, ob die Kehlbalken durch eine andere aussteifende Konstruktion (z. B. Stahlzugbänder) ersetzt werden können, ohne die Standsicherheit des Dachstuhls zu gefährden.
Rechtsgrundlage
Keine spezielle Rechtsgrundlage; die statische Bemessung erfolgt nach den allgemeinen Holzbaunormen (Eurocode 5 / DIN EN 1995).