Ortbeton

Auch: Ortbetonbauweise

Ortbeton ist Beton, der nicht als vorgefertigtes Bauteil angeliefert, sondern direkt auf der Baustelle in eine zuvor errichtete Schalung gegossen wird und dort erhärtet. Er bildet damit ein monolithisches Bauteil vor Ort, im Unterschied zu werkseitig hergestellten Betonfertigteilen.

Ausführliche Erklärung

Bei der Ortbetonbauweise wird zunächst eine Schalung (Holz, Stahl oder System-Schalung) aufgebaut, in die bei tragenden Bauteilen zusätzlich Bewehrungsstahl eingelegt wird (Stahlbeton). Anschließend wird Frischbeton eingebracht, verdichtet und ausgehärtet; nach Erreichen einer ausreichenden Festigkeit wird die Schalung entfernt (Ausschalen). Typische Anwendungen sind Fundamente, Kellerwände, Decken, Stützen und Bodenplatten.

Vorteile der Ortbetonbauweise sind die hohe Flexibilität bei Bauteilform und Grundriss sowie die Fugenarmut, da große zusammenhängende Bauteile ohne Elementstöße entstehen. Nachteile sind die Witterungsabhängigkeit auf der Baustelle, längere Aushärtezeiten vor Weiterbau und ein höherer Schalungs- und Personalaufwand im Vergleich zur Fertigteilbauweise, bei der die Bauteile im Werk unter kontrollierten Bedingungen hergestellt und lediglich montiert werden. In der Praxis werden beide Verfahren häufig kombiniert (Mischbauweise), etwa Ortbetondecken auf Fertigteilwänden oder umgekehrt.

Für Planung, Bemessung und Ausführung von Beton-, Stahlbeton- und Spannbetonbauteilen gilt in Deutschland die Normenreihe DIN 1045, die europarechtlich auf dem Eurocode 2 (DIN EN 1992) aufbaut; die Zusammensetzung und Herstellung des Betons selbst regelt DIN EN 206 in Verbindung mit der nationalen Anwendungsnorm.

Beispiel aus der Praxis

Für ein Einfamilienhaus wird die Bodenplatte als Ortbeton hergestellt: Auf der Baustelle wird eine Schalung errichtet, eine Bewehrungsmatte eingelegt und anschließend Transportbeton per Fahrmischer eingebracht und verdichtet. Die Kellerwände hingegen werden als vorgefertigte Betonfertigteile angeliefert und nur noch versetzt und verankert.

Rechtsgrundlage

  • DIN 1045 (Teile 1–3) – Tragwerke aus Beton, Stahlbeton und Spannbeton; Bemessung, Ausführung und Eigenschaften, in Anlehnung an Eurocode 2 (DIN EN 1992).
  • DIN EN 206 – Festlegung, Eigenschaften, Herstellung und Konformität von Beton.
  • Keine spezielle gesetzliche Rechtsgrundlage; die Normen sind über die Landesbauordnungen bzw. Bauvertrag als anerkannte Regeln der Technik verbindlich einzuhalten.

Verwandte Begriffe