Schraubfundament
Auch: Erdschraube · Schraubpfahlgründung · Schraubanker
Ein Schraubfundament (auch Erdschraube genannt) ist ein Punktfundament aus verzinktem Stahl mit spiralförmigem Gewinde, das mit einem Drehmoment direkt in den Baugrund eingedreht wird, ohne dass ein Erdaushub oder Beton erforderlich ist. Es überträgt die Lasten leichter Bauwerke punktuell in den Boden.
Ausführliche Erklärung
Schraubfundamente bestehen aus einem Stahlrohr oder einer Vollstange mit angeschweißter, schraubenförmiger Wendel am unteren Ende. Sie werden mit maschineller oder auch handgeführter Drehkraft in den Untergrund eingedreht, bis die erforderliche Einschraubtiefe und ein bestimmtes Eindrehmoment erreicht sind, das als Indikator für die erzielte Tragfähigkeit dient. Im Vergleich zu klassischen Betonfundamenten entfallen Erdaushub, Schalung, Bewehrung und Aushärtezeit, was Bauzeit und Kosten deutlich reduziert.
Einsatzbereiche:
- Terrassen, Carports, Gartenhäuser und Zäune im privaten Bereich.
- Mobile oder temporäre Bauten wie Modulbauten, Container, Messestände.
- Photovoltaik-Freiflächenanlagen und Solarparks, wo Schraubfundamente wegen der einfachen Rückbaubarkeit bevorzugt werden.
- Leichte Wohn- und Gewerbebauten wie Tiny Houses, sofern der Baugrund ausreichend tragfähig ist.
Praxisrelevanz für den Makler:
- Schraubfundamente sind reversibel und hinterlassen bei Rückbau kaum Spuren im Boden – ein Vorteil bei Pachtgrundstücken, Mietflächen oder Bauten mit befristeter Standgenehmigung.
- Die Tragfähigkeit hängt stark vom Baugrund ab (bei stark bindigen oder felsigen Böden eingeschränkt geeignet); bei größeren Bauvorhaben ist ein Baugrundgutachten sinnvoll.
- Bei der Wertermittlung von Immobilien mit Anbauten auf Schraubfundamenten (z. B. Terrassenüberdachungen, Gartenhäuser) ist zu beachten, dass diese bauordnungsrechtlich oft als genehmigungsfreie oder -pflichtige Nebenanlagen gelten, je nach Größe und Landesbauordnung.
Beispiel aus der Praxis
Für eine überdachte Holzterrasse an einem Einfamilienhaus werden statt eines Streifenfundaments zwölf Schraubfundamente in den Boden gedreht, auf denen die Unterkonstruktion aus Holz montiert wird. Die Bauzeit verkürzt sich dadurch von mehreren Tagen auf wenige Stunden.
Rechtsgrundlage
- DIN EN 1997 (Eurocode 7) – Geotechnische Bemessung von Gründungen, einschließlich Pfahlgründungen.
Keine spezielle immobilienrechtliche Rechtsgrundlage; das Schraubfundament ist ein bautechnisches Gründungssystem.