Zweirohrheizungssystem
Auch: Zweirohrsystem · Zweirohrheizung
Beim Zweirohrheizungssystem wird jeder Heizkörper über zwei getrennte Leitungen versorgt: eine Vorlaufleitung führt warmes Heizwasser zum Heizkörper, eine separate Rücklaufleitung führt das abgekühlte Wasser zurück zum Wärmeerzeuger. Dadurch erhält jeder Heizkörper unabhängig von den anderen die gleiche, ungekühlte Vorlauftemperatur.
Ausführliche Erklärung
Für den Makler ist das Zweirohrsystem der heute übliche Standard und ein wichtiges Qualitätsmerkmal bei der Bewertung der Heiztechnik:
- Funktionsweise: Anders als beim Einrohrsystem, bei dem sich das Wasser beim Durchlaufen mehrerer Heizkörper stufenweise abkühlt, erhält beim Zweirohrsystem jeder Heizkörper über die eigene Vorlaufleitung Wasser mit annähernd gleicher, ungekühlter Temperatur. Das abgekühlte Wasser wird über die separate Rücklaufleitung gesammelt zum Kessel oder zur Wärmepumpe zurückgeführt.
- Vorteile gegenüber dem Einrohrsystem: Bessere Einzelraumregelbarkeit durch Thermostatventile ohne gegenseitige Beeinflussung der Heizkörper im selben Strang, geringerer Energieverbrauch, einfacherer hydraulischer Abgleich, bessere Eignung für niedrige Systemtemperaturen und damit für den effizienten Betrieb von Wärmepumpen.
- Niedertemperaturtauglichkeit: Da alle Heizkörper mit annähernd gleicher Vorlauftemperatur versorgt werden, lässt sich das System gut auf niedrige Vorlauftemperaturen (z. B. 35–45 °C) auslegen, was Voraussetzung für einen effizienten Wärmepumpenbetrieb ist – ein wichtiger Punkt bei der energetischen Modernisierung von Bestandsgebäuden.
- Hydraulischer Abgleich: Auch beim Zweirohrsystem ist ein hydraulischer Abgleich notwendig, um sicherzustellen, dass alle Heizkörper entsprechend ihrem Wärmebedarf mit der richtigen Wassermenge versorgt werden; er ist jedoch technisch einfacher durchzuführen als beim Einrohrsystem und ist Voraussetzung für viele Fördermittel (BEG) sowie teils gesetzlich vorgeschrieben.
- Praxisrelevanz: Bei der Objektbewertung gilt ein vorhandenes Zweirohrsystem als moderner Standard und Pluspunkt gegenüber dem älteren Einrohrsystem, insbesondere im Hinblick auf eine mögliche künftige Umstellung auf eine Wärmepumpe. Der Makler sollte bei Bestandsimmobilien klären, ob bereits ein hydraulischer Abgleich durchgeführt wurde.
Beispiel aus der Praxis
In einem neu errichteten Einfamilienhaus wird ein Zweirohrheizungssystem mit Fußbodenheizung und einer Luft-Wasser-Wärmepumpe kombiniert. Da jeder Heizkreis unabhängig geregelt werden kann und niedrige Vorlauftemperaturen ausreichen, arbeitet die Wärmepumpe besonders effizient. Der Makler weist im Exposé auf den bereits durchgeführten hydraulischen Abgleich hin.
Rechtsgrundlage
- GEG (Gebäudeenergiegesetz) – stellt Anforderungen an neue Heizungsanlagen und begünstigt niedrigtemperaturtaugliche Zweirohrsysteme in Kombination mit erneuerbaren Energien.
- DIN EN 12831 – Grundlage für die raumweise Heizlastberechnung, die auch der Auslegung von Zweirohrsystemen zugrunde liegt.