DGNB-Zertifizierung
Auch: Nachhaltigkeitszertifizierung · BREEAM · LEED
Die DGNB-Zertifizierung ist ein von der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) vergebenes Gütesiegel, das die Nachhaltigkeit von Gebäuden ganzheitlich bewertet – anders als die reine Energieeffizienzbetrachtung des Energieausweises werden auch ökonomische, soziokulturelle, technische und prozessuale Qualitätskriterien einbezogen.
Ausführliche Erklärung
Die DGNB-Zertifizierung hat sich in Deutschland als führendes Nachhaltigkeitssiegel für Gewerbe- und zunehmend auch Wohnimmobilien etabliert und ist für Makler bei der Vermarktung nachhaltiger Projektentwicklungen sowie bei institutionellen Investoren relevant:
- Bewertungssystem: Die DGNB bewertet Gebäude in bis zu sechs Themenfeldern (ökologische, ökonomische, soziokulturelle und funktionale Qualität, technische Qualität, Prozessqualität, Standortqualität) und vergibt Zertifikate in den Stufen Silber, Gold und Platin sowie das oberste "DGNB Diamant" für architektonisch herausragende Projekte. Die Einstiegsstufe Bronze gilt nicht für Neubauten, sondern ausschließlich für die Zertifizierung von Bestandsimmobilien.
- Internationale Alternativen: Neben der DGNB existieren international etablierte Systeme wie das britische BREEAM (Building Research Establishment Environmental Assessment Method) und das US-amerikanische LEED (Leadership in Energy and Environmental Design), die teils auch bei deutschen Projekten internationaler Investoren zum Einsatz kommen.
- Wirtschaftliche Bedeutung: Zertifizierte Gebäude erzielen am Markt häufig höhere Mieten, eine bessere Drittverwendungsfähigkeit und werden von institutionellen Investoren (insbesondere Fonds mit ESG-Anlagekriterien) bevorzugt erworben. Für Projektentwickler ist die Zertifizierung daher ein wichtiges Vermarktungs- und Finanzierungsargument.
- Prozess: Die Zertifizierung beginnt idealerweise bereits in der Planungsphase (Vorzertifikat möglich) und wird nach Fertigstellung durch eine unabhängige Auditierung final bestätigt. Sie erfordert eine umfangreiche Dokumentation zu Materialien, Energiekonzept, Lebenszykluskosten und Nutzerkomfort.
- Praxisrelevanz für Makler: Bei der Vermarktung zertifizierter Objekte sollte der Makler die erreichte Zertifizierungsstufe und deren Bedeutung für institutionelle Käufer bzw. Mieter (z. B. Nachhaltigkeitsberichterstattungspflichten nach EU-Taxonomie) kommunizieren können, da dies zunehmend ein zentrales Ankaufskriterium bei gewerblichen Immobilientransaktionen ist.
Beispiel aus der Praxis
Ein Projektentwickler lässt ein neues Bürogebäude nach den Kriterien der DGNB zertifizieren und erhält die Auszeichnung "Gold". Bei der Vermarktung an einen institutionellen Investor wird dies als zentrales Verkaufsargument hervorgehoben, da der Fonds aufgrund seiner Nachhaltigkeitsvorgaben bevorzugt in zertifizierte Objekte investiert.
Rechtsgrundlage
Keine spezielle Rechtsgrundlage. Die DGNB-Zertifizierung ist ein privatwirtschaftliches, freiwilliges Gütesiegel ohne eigene gesetzliche Regelung; mittelbare Bezüge ergeben sich aus der EU-Taxonomie-Verordnung und der EU-Offenlegungsverordnung, die Nachhaltigkeitskriterien für Finanzprodukte und Investitionsentscheidungen vorgeben.