European Valuation Standards
Auch: EVS
Die European Valuation Standards (EVS), auch "Blue Book" genannt, sind ein von TEGoVA (The European Group of Valuers' Associations) herausgegebenes Regelwerk mit einheitlichen Grundsätzen, Definitionen und Verfahren für die Immobilienbewertung in Europa. Sie dienen der Harmonisierung von Wertgutachten über nationale Grenzen hinweg.
Ausführliche Erklärung
TEGoVA ist der Dachverband nationaler Bewertungsverbände in Europa (in Deutschland u. a. vertreten durch den HypZert e.V. und weitere Sachverständigenorganisationen). Die European Valuation Standards regeln unter anderem:
- Einheitliche Wertdefinitionen (z. B. Marktwert nach europäischem Verständnis, Bandbreite zu abweichenden nationalen Begriffen wie dem deutschen Verkehrswert nach § 194 BauGB)
- Bewertungsverfahren und Methodik für unterschiedliche Immobilientypen (Wohn-, Gewerbe-, Spezialimmobilien)
- Berufsstandards für Gutachter (Qualifikation, Unabhängigkeit, Sorgfaltspflichten)
- Berichterstattungsanforderungen an Wertgutachten, um europaweite Vergleichbarkeit zu gewährleisten
Die EVS sind besonders relevant für grenzüberschreitende Immobilientransaktionen, internationale Kreditvergaben und Bewertungen für Finanzinstitute, die nach europäischen bzw. internationalen Standards berichten müssen (z. B. im Zusammenhang mit der EU-Kapitaladäquanzverordnung, IFRS-Bilanzierung). Sie stehen neben anderen internationalen Standards wie den RICS Red Book Standards (Vereinigtes Königreich) und den International Valuation Standards (IVS) des IVSC.
Praxisrelevanz für den Makler: Bei der Vermittlung an internationale institutionelle Investoren oder bei Objekten, die für Bankfinanzierungen nach europäischen Standards bewertet werden müssen, sollte der Makler wissen, dass Gutachten nach EVS erstellt sein können, deren Wertdefinitionen und Methodik von der deutschen ImmoWertV/Verkehrswertdefinition abweichen können – dies kann zu Diskussionen über die Vergleichbarkeit unterschiedlicher Gutachten führen.
Beispiel aus der Praxis
Ein internationaler Immobilienfonds lässt ein Bürogebäude in Frankfurt sowohl nach deutscher ImmoWertV (für die deutsche Finanzierungsbank) als auch nach European Valuation Standards (für das konzerninterne Reporting nach IFRS) bewerten. Die beiden Gutachten kommen zu leicht unterschiedlichen, aber grundsätzlich vergleichbaren Werten, da beide Standards auf dem Marktwertkonzept beruhen.
Rechtsgrundlage
Keine spezielle Rechtsgrundlage in Deutschland. Die European Valuation Standards sind ein privatrechtliches, von TEGoVA herausgegebenes Regelwerk ohne gesetzliche Verbindlichkeit; sie werden freiwillig oder vertraglich (z. B. auf Verlangen internationaler Auftraggeber) angewendet und ergänzen die gesetzlich verbindliche deutsche ImmoWertV.