Markt- und Standortanalyse
Auch: Standort- und Marktanalyse
Die Markt- und Standortanalyse untersucht vor Beginn eines Projektentwicklungsvorhabens, ob und in welchem Umfang an einem bestimmten Standort Nachfrage nach der geplanten Nutzung (Wohnen, Gewerbe, Handel) besteht und wie sich Lagequalität sowie Wettbewerbsumfeld auf den wirtschaftlichen Erfolg auswirken.
Ausführliche Erklärung
Anders als die eher vertriebsorientierte Standortanalyse zur Vermarktung eines bereits fertigen Objekts (siehe verwandter Begriff "Standortanalyse für Vermarktung") ist die Markt- und Standortanalyse ein strategisches Instrument der frühen Projektentwicklungsphase. Sie prüft, ob und mit welchem Konzept sich ein Standort überhaupt entwickeln lässt, und bildet zusammen mit der Machbarkeitsstudie die Entscheidungsgrundlage für einen Grundstückserwerb oder eine Projektentscheidung.
Wesentliche Untersuchungsfelder:
- Makrolage: Wirtschaftsstruktur, Bevölkerungsentwicklung, Kaufkraft und Infrastruktur der Region bzw. Stadt.
- Mikrolage: Unmittelbares Umfeld des Grundstücks – Nahversorgung, ÖPNV-Anbindung, Nachbarschaft, Lärm- und Emissionsquellen.
- Nachfrageanalyse: Zielgruppen (z. B. Familien, Senioren, Studenten, Gewerbetreibende), demografische Entwicklung, Kaufkraft, Mietpreisniveau.
- Angebotsanalyse/Wettbewerb: Bestehende und geplante Konkurrenzprojekte, Leerstandsquoten, Marktsättigung.
- Absorptionsfähigkeit: Wie schnell lässt sich das geplante Angebot (z. B. Wohneinheiten, Gewerbeflächen) am Markt platzieren?
Für Makler, die im gewerblichen Immobiliengeschäft, in der Projektentwicklung oder bei größeren Grundstücksvermittlungen tätig sind, liefert die Markt- und Standortanalyse wichtige Argumente gegenüber Investoren: Sie zeigt auf, welches Nutzungskonzept (z. B. Geschosswohnungsbau statt Einfamilienhäuser, Mikroapartments statt klassische Wohnungen) am jeweiligen Standort die höchste Erfolgswahrscheinlichkeit hat.
In der Praxis wird die Markt- und Standortanalyse häufig durch spezialisierte Marktforschungsunternehmen oder Research-Abteilungen größerer Maklerhäuser erstellt und stützt sich auf Daten von Statistikämtern, Gutachterausschüssen (Bodenrichtwerte, Kaufpreissammlungen) sowie eigene Vor-Ort-Begehungen.
Beispiel aus der Praxis
Ein Projektentwickler beauftragt vor dem Ankauf eines innerstädtischen Grundstücks eine Markt- und Standortanalyse. Diese zeigt eine hohe Nachfrage nach kleinteiligen Eigentumswohnungen für Berufseinsteiger, während der Markt für große Familienwohnungen am Standort bereits gesättigt ist. Der Entwickler passt sein Wohnungsmix-Konzept entsprechend an.
Rechtsgrundlage
Keine spezielle Rechtsgrundlage. Die Markt- und Standortanalyse ist ein betriebswirtschaftliches Planungsinstrument ohne eigene gesetzliche Regelung.