Vollziegelmauerwerk
Vollziegelmauerwerk besteht aus vollen, ungelochten Ziegelsteinen (Vollziegeln) ohne Lochung oder Hohlkammern. Es zeichnet sich durch eine hohe Rohdichte und Druckfestigkeit sowie eine gute Wärmespeicherfähigkeit aus und war bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts die dominierende Mauerwerksart im deutschen Wohnungsbau.
Ausführliche Erklärung
Für Makler ist Vollziegelmauerwerk vor allem bei der Einschätzung von Altbauten relevant, da die Bauweise bauzeitliche Rückschlüsse und Sanierungsanforderungen mit sich bringt:
- Eigenschaften: Vollziegel haben eine hohe Rohdichte (ca. 1.600–2.400 kg/m³) und Druckfestigkeit, dadurch sehr gute Tragfähigkeit, aber schlechtere Wärmedämmwerte als moderne gelochte Hochlochziegel (die durch Luftkammern isolieren). Die hohe Speichermasse sorgt für ein ausgeglichenes, träges Raumklima.
- Historische Einordnung: Vollziegelmauerwerk war bis ca. 1950 die Standardbauweise für tragende Wände in Deutschland; erst mit der Entwicklung von Hochlochziegeln und Leichtbetonsteinen ab den 1950er/60er-Jahren setzten sich lochoptimierte, wärmedämmende Steine durch.
- Wanddicken: Historische Vollziegelaußenwände waren häufig 1,5 bis 2,5 Stein stark (ca. 38–63 cm), um ausreichend Wärmeschutz allein durch die Masse zu erreichen – ein wichtiger Anhaltspunkt für den energetischen Zustand von Altbauten.
- Praxisrelevanz für den Makler: Bei Altbauten mit Vollziegelmauerwerk ist der winterliche Wärmeschutz oft unzureichend nach heutigen Standards (GEG), sodass Käufer mit zusätzlichen Dämmmaßnahmen (Innen- oder Außendämmung) rechnen sollten. Gleichzeitig gilt Vollziegelmauerwerk als sehr diffusionsoffen und feuchteregulierend, was ein gutes, gesundes Raumklima begünstigt – ein Argument bei denkmalgeschützten oder gründerzeitlichen Altbauten.
- Die hohe Masse und Steifigkeit von Vollziegelmauerwerk ist zudem für den Schallschutz zwischen Wohneinheiten vorteilhaft.
Beispiel aus der Praxis
Ein Gründerzeithaus mit 51 cm dicken Vollziegelaußenwänden wird zum Verkauf angeboten. Der Makler weist darauf hin, dass trotz der massiven, wertigen Bauweise eine Innendämmung sinnvoll sein kann, um die energetischen Anforderungen des GEG bei größeren Sanierungen zu erfüllen.
Rechtsgrundlage
- DIN 1053 / DIN EN 771-1 – Anforderungen an Mauerziegel und Ausführung von Mauerwerk.
- Gebäudeenergiegesetz (GEG) – bei umfassenden Sanierungen relevante energetische Anforderungen (mittelbar, nicht bauweisenspezifisch).