Zweistufiges Formular

Auch: Multi-Step-Formular · Mehrstufiges Formular · Zweistufiger Kontaktprozess

Ein zweistufiges Formular teilt die Eingabe von Kontaktdaten auf einer Website oder Landingpage in zwei Schritte auf: Zunächst wird eine einfache, niedrigschwellige Angabe abgefragt (z. B. eine einzelne Auswahl oder nur die E-Mail-Adresse), erst im zweiten Schritt folgen weitere Angaben wie Name, Telefonnummer oder Nachricht. Ziel ist es, die Hemmschwelle zur Kontaktaufnahme zu senken und mehr vollständige Anfragen zu generieren.

Ausführliche Erklärung

Für die Leadgenerierung im Immobilienmarketing ist die Formularstruktur ein entscheidender Hebel für die Conversion-Rate: Ein einzelnes langes Formular mit vielen Pflichtfeldern (Name, Telefon, E-Mail, Nachricht, Datenschutz-Häkchen) wirkt auf viele Interessenten abschreckend und führt zu hohen Absprungraten, bevor überhaupt ein erster Schritt getan wurde.

Funktionsweise und Praxisrelevanz:

  • Prinzip der Micro-Commitments: Der erste Schritt fragt eine sehr leichte Entscheidung ab (z. B. "Interessieren Sie sich für Kauf oder Miete?" oder nur die E-Mail-Adresse). Wer diesen ersten kleinen Schritt getan hat, bricht seltener vor dem zweiten Schritt ab (psychologischer Konsistenzeffekt / Foot-in-the-door-Technik).
  • Typischer Aufbau in der Immobilienvermarktung: Schritt 1 – Auswahl des Anliegens (z. B. "Besichtigungstermin anfragen", "Exposé anfordern", "Bewertung meiner Immobilie"); Schritt 2 – Erfassung von Name, Kontaktdaten, Nachricht und Einwilligung zur Datenverarbeitung.
  • Conversion-Effekt: In der Praxis erzielen zweistufige Formulare häufig deutlich höhere Abschlussraten als einstufige Formulare mit gleichem Datenumfang, da die wahrgenommene Eingabelast pro Bildschirm sinkt.
  • Einsatzorte: Landingpages für Bewertungsanfragen, Exposé-Anforderungen, Terminbuchungen auf der Maklerwebsite sowie in Kampagnen über Google Ads oder Social-Media-Anzeigen.
  • Datenschutzaspekt: Auch wenn die Eingabe gestaffelt erfolgt, muss die Datenschutzerklärung bzw. Einwilligung nach DSGVO spätestens vor Absenden der personenbezogenen Daten (also im zweiten Schritt) klar und transparent eingebunden sein; ein "Verstecken" der Einwilligung hinter mehreren Klicks ist unzulässig.
  • Abgrenzung: Nicht zu verwechseln mit einem reinen Double-Opt-in-Verfahren (E-Mail-Bestätigung nach Anmeldung) – das zweistufige Formular betrifft die Struktur der Dateneingabe selbst, nicht die anschließende Bestätigung der Einwilligung.
  • A/B-Testing: In der Praxis wird die Formularstruktur häufig per A/B-Test gegen ein einstufiges Formular getestet, um den tatsächlichen Effekt auf Lead-Zahl und Lead-Qualität für die eigene Zielgruppe zu belegen.

Beispiel aus der Praxis

Auf der Landingpage eines Maklerbüros für Immobilienbewertungen sieht der Besucher zunächst nur die Frage "Möchten Sie den Wert Ihrer Immobilie kostenlos schätzen lassen?" mit den Buttons "Ja, jetzt starten". Erst nach Klick öffnet sich Schritt 2 mit den Feldern für Adresse, Objektart, Name und E-Mail-Adresse samt Datenschutzhinweis. Durch diese Aufteilung steigt die Anzahl der begonnenen und abgeschlossenen Anfragen im Vergleich zu einem einzigen langen Formular spürbar.

Rechtsgrundlage

  • Art. 6 DSGVO – Rechtsgrundlage für die Verarbeitung der im Formular erhobenen personenbezogenen Daten (i. d. R. Einwilligung oder vorvertragliche Maßnahme).
  • Art. 13 DSGVO – Informationspflicht: Der Nutzer muss spätestens bei Erhebung der Daten (also im entscheidenden zweiten Schritt) transparent über Zweck und Umfang der Datenverarbeitung informiert werden.

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