Sicherungskasten

Auch: Verteilerkasten · Unterverteilung · Zählerschrank

Der Sicherungskasten (auch Verteilerkasten oder Unterverteilung genannt) ist der zentrale Schaltschrank einer Gebäudeinstallation, in dem die eingehende Stromversorgung auf einzelne Stromkreise für Steckdosen, Beleuchtung, Herd oder Heizung aufgeteilt und über Sicherungsautomaten sowie Fehlerstrom-Schutzschalter abgesichert wird.

Ausführliche Erklärung

Der Sicherungskasten ist eines der zentralen Bewertungskriterien bei der technischen Einschätzung des Elektrozustands einer Immobilie:

  • Historische Entwicklung: Alte Gebäude verfügen teils noch über Schmelzsicherungen (Diazed- oder Neozed-Sicherungen), die durch moderne Leitungsschutzschalter ersetzt werden sollten. Fehlende oder unzureichende FI-Schutzschalter (Fehlerstromschutzschalter) in Feuchträumen und für Steckdosenkreise sind ein häufiger Sanierungspunkt.
  • Struktur moderner Verteiler: Ein normgerechter Sicherungskasten enthält getrennte Stromkreise je Raum bzw. Funktion (Beleuchtung, Steckdosen, Herd, Heizung, Außenbereich), mehrere FI-Schutzschalter zur Gruppierung sowie ggf. einen Überspannungsschutz. Bei größeren Anlagen ist zusätzlich ein selektiver Leitungsschutzschalter (SLS) vor der Unterverteilung vorgeschaltet.
  • Kapazitätsreserve: Bei der Objektbewertung ist relevant, ob im Sicherungskasten noch freie Plätze für zukünftige Erweiterungen (Wallbox, Wärmepumpe, PV-Anlage) vorhanden sind, da Elektrofahrzeuge und Wärmepumpen zusätzliche, eigene Stromkreise mit entsprechender Absicherung benötigen.
  • E-Check: Ein aktueller E-Check (Prüfung nach DIN VDE 0105-100 durch eine Elektrofachkraft) gibt Aufschluss über den Zustand der gesamten Elektroinstallation einschließlich des Sicherungskastens und ist ein wichtiges Verkaufsargument bzw. Prüfkriterium für Käufer.
  • Modernisierungsbedarf als Preisfaktor: Ein veralteter Sicherungskasten ohne FI-Schutz gilt als klassischer Sanierungsstau und wird bei Verhandlungen häufig preismindernd berücksichtigt.

Beispiel aus der Praxis

Bei der Besichtigung eines Hauses aus den 1970er Jahren stellt der Makler fest, dass der Sicherungskasten noch alte Schmelzsicherungen ohne FI-Schutzschalter enthält. Er weist den Interessenten darauf hin, dass eine Modernisierung der Elektroinstallation im Rahmen der Sanierungsplanung eingeplant werden sollte.

Rechtsgrundlage

  • DIN VDE 0100-410 – Schutzmaßnahmen gegen elektrischen Schlag, u. a. Vorgaben zu Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen.
  • DIN VDE 0100-430 – Schutz von Kabeln und Leitungen bei Überstrom.
  • VDE-AR-N 4100 – Technische Anschlussbedingungen der Netzbetreiber für den Zählerplatz und die Unterverteilung.

Verwandte Begriffe