Selektiver Leitungsschutzschalter
Auch: SLS-Schalter · Selektiv-Leitungsschutzschalter
Ein selektiver Leitungsschutzschalter (SLS-Schalter) ist ein Sicherungsautomat mit einer zeitverzögerten Auslösecharakteristik, der bei einem Kurzschluss oder einer Überlast in einem einzelnen Stromkreis nur diesen abschaltet – ohne dass die vorgelagerte Hauptsicherung oder weitere Sicherungen im Verteiler mit auslösen.
Ausführliche Erklärung
In modernen Elektroinstallationen sind Verteilerkästen mit zahlreichen einzelnen Stromkreisen (Leitungsschutzschaltern, FI-Schutzschaltern) ausgestattet. Ohne Selektivität kann es passieren, dass ein Fehler in einem einzelnen Stromkreis (z. B. Kurzschluss in einer Steckdose) auch die vorgeschaltete Haupt- oder Zählersicherung auslöst und damit das gesamte Gebäude stromlos wird.
Für den Makler relevante Aspekte:
- Netzbetreiberanforderung: Viele Netzbetreiber verlangen in ihren Technischen Anschlussbedingungen (TAB), die sich an der VDE-AR-N 4100 orientieren, den Einbau eines selektiven Leitungsschutzschalters (SLS) unmittelbar hinter dem Zähler, um die vorgelagerte Netzsicherung zu schützen und Versorgungsausfälle für Nachbarn zu vermeiden.
- Erkennungsmerkmal: Der SLS-Schalter sitzt typischerweise direkt nach dem Stromzähler im Zählerschrank und ist an seiner meist orangefarbenen oder speziell gekennzeichneten Bauform sowie höherem Nennstrom (häufig 35–63 A) erkennbar.
- Praxisrelevanz bei Bestandsimmobilien: Ältere Elektroinstallationen verfügen oft nicht über einen normgerechten SLS-Schalter. Bei einer Modernisierung des Zählerplatzes (z. B. im Zuge des Smart-Meter-Rollouts) verlangen Netzbetreiber häufig dessen Nachrüstung als Voraussetzung für den Zählerwechsel.
- Abgrenzung: Der SLS-Schalter ersetzt nicht die einzelnen Leitungsschutzschalter der Endstromkreise, sondern ergänzt sie als vorgeschaltete, selektiv abgestimmte Sicherung.
Beispiel aus der Praxis
Beim Zählerwechsel auf ein digitales Messsystem stellt der Netzbetreiber fest, dass im Zählerschrank eines Mehrfamilienhauses noch keine selektive Sicherung vorhanden ist, und macht den Einbau eines SLS-Schalters zur Bedingung für den Anschluss des neuen Smart Meters.
Rechtsgrundlage
- DIN VDE 0100-430 – Anforderungen an den Schutz von Kabeln und Leitungen bei Überstrom.
- VDE-AR-N 4100 – Technische Regeln für den Anschluss von Kundenanlagen an das Niederspannungsnetz (TAB), Grundlage für die Forderung selektiver Sicherungen durch die Netzbetreiber.